90 000 Übernachtungen in Zelt und Wohnwagen
Rund 60 Bewohner haben ihren ersten Wohnsitz auf dem Platz
am Freilinger See angemeldet.
Blankenheim-Freilingen - Mittlerweile hat der Herbst in der Eifel
Einzug gehalten, und das Leben auf dem „Eifel-Camp“ ist
etwas ruhiger geworden. Die neben dem Freilinger See gelegene Anlage
ist der einzige unter den rund 100 Campingplätzen in der gesamten
Eifel, der vom Deutschen Tourismus-Verband mit fünf Sternen ausgezeichnet
wurde.
Den ganzen Sommer über herrscht dort reger Betrieb. „Jedes
Jahr haben wir rund 90 000 Übernachtungen“, weiß
Betreiber Ernst Lüttgau. Der 50-Jährige, der in Ripsdorf
aufwuchs, kann eine Menge über seine Gäste erzählen.
Rund 80 000 Übernachtungen sind den Dauercampern, rund 10 000
den Touristikcampern zuzurechnen. Die Dauercamper stammen überwiegend
aus Köln und dem Rheinland, die Urlauber reisen meistens aus
den Niederlanden an. „Aber auch unter den Dauercampern sind
immer mehr Holländer, denn dort ist ein fester Stellplatz rund
zwei- bis dreimal so teuer wie bei uns“, so Lüttgau.
500 Stellplätze
Die vielen Gäste bringen eine Menge Geld nach Blankenheim und
in die umliegende Region. „Mit jeder Übernachtung werden
knapp 30 Euro ausgegeben, alleine unsere Camper lassen also rund 2,7
Millionen Euro in der Eifel“, rechnet der ehemalige Besitzer
einer Werbeagentur vor.
Die Ursprünge des Campingplatzes gehen auf das Jahr 1982 zurück,
als die Autobahn nach Blankenheim kam. Lüttgau: „Damals
lag der See brach, und nichts passierte.“ Zusammen mit anderen
Gesellschaftern gründete er dann den Campingplatz. In der Anfangszeit
war die Anlage rund sieben Hektar groß und bot knapp 300 Stellplätze.
Im Laufe der Jahre wurde die Fläche ständig erweitert, jetzt
ist sie zehn Hektar groß und hat 500 Plätze. Schon beim
Bau der Anlage wurde großer Wert auf den Umweltschutz gelegt,
so bezahlten die Investoren einen rund ein Kilometer langen Anschluss
bis zur nächsten Kläranlage.
Im Laufe der Zeit erwählten immer mehr Menschen das „Eifel-Camp“
zu ihrem Hauptwohnsitz. Zurzeit sind dort 60 Einwohner fest gemeldet.
Sie leben überwiegend in „Mobilheimen“, dies sind
Holzhäuser, die rund 25 000 Euro kosten. Diese Häuser auf
winzigen Rädern werden auf Tiefladern bis vor die Schranke geliefert
und mit Traktoren zu ihrem Stellplatz gezogen. Dort werden sie an
das Kanalnetz, die Gasleitung und das Kabelfernsehen angeschlossen.
„Die Pacht kostet rund 2000 Euro im Jahr“, so Lüttgau.
Für viele Menschen ist ein solches Heim billiger als etwa eine
kleine Wohnung in Köln. Die meisten von ihnen sind sowieso „das
halbe Jahr mit dem Wohnmobil in der ganzen Welt“ unterwegs und
froh, dass ihr Heim während der Abwesenheit bewacht und betreut
wird, so der Campingplatzbetreiber.
Dauercamper
Elisabeth und Hans Kittel, die aus Köln-Ehrenfeld stammen, leben
zusammen mit Hund Biggy und zwei Katzen schon seit einigen Jahren
in einem solchen Mobilheim, das rund 40 Quadratmeter groß ist.
„Wir genießen die Ruhe, die Aussicht und die schöne
Landschaft“, erzählt das Ehepaar, das seit rund 15 Jahren
Dauercamper ist und seit zehn Jahren den ersten Wohnsitz im „Eifel-Camp“
hat.
Sie freuen sich über die zahlreichen Einrichtungen auf dem Platz,
wegen denen das „Eifel-Camp“ mit fünf Sternen ausgezeichnet
wurde. So sprang etwa Hundedame Biggy extra für den Reporter
unter die Hundedusche, unter der die Vierbeiner sorgfältig gereinigt
werden können. Wenn sich ihre Herrchen unter die Dusche im Sanitärgebäude
stellen, dann können sie sich über die Fußbodenheizung
freuen. Die Gäste des Campingplatzes können sich auch eine
Einzelsanitärkabine mieten, die von niemand anderem benutzt werden
kann. Für sportliche Aktivitäten gibt es eine Beachvolleyballanlage
auf dem Platz, einen Kletterfelsen sowie eine Skateranlage, die jede
Eifel-Kommune vor Neid erblassen lässt.
Neben Restaurant und Kiosk wird den Gästen aber noch mehr geboten.
Wenn man einen Ausflug machen will, findet man jede Menge nützliche
Informationen. Und neben einer Kinderbetreuung gibt es während
der Saison auch ein Animationsprogramm für Erwachsene. So ist
etwa „Eifel-Elvis“ mittlerweile auch vielen Holländern
ein Begriff.
Solch ein großer Campingplatz bietet natürlich auch Arbeitsplätze.
„Wir haben vier Stamm- sowie drei feste Aushilfskräfte“,
so Lüttgau. Während der Saison kommen noch zehn Aushilfen
hinzu.
(Kölner Stadt-Anzeiger, 28.10.04)